Erweiterung Anne-Marie Tausch-Schule Wolfsburg (BBS III)

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Erweiterung Anne-Marie Tausch-Schule Wolfsburg (BBS III)

Zweigeschossiger Schulanbau in Holztafelbauweise

Die im Gebäudekomplex der ehemaligen Erich-Kästner Schule bestehende Berufsschule BBS III wurde um 11 Klassen- und 5 Gruppenräume sowie die erforderlichen Nebenflächen erweitert.

Diese notwendige Erweiterung ersetzt die bestehenden, freistehenden vom Altbau getrennten Behelfsbauten aus den 80er Jahren. Zusätzliche neue pädagogische Forderungen der Inklusion und energetischen Optimierung waren planerisch zu berücksichtigen.

Städtbauliche Situation und Gesamtkonzept

Im Rahmen der Auseinandersetzung über die möglichen Bau-Konzepte wird der ursprünglich geplante Ersatz der bestehenden Behelfsbauten am alten Standort verworfen und nach intensiver Abstimmung mit den zuständigen Ämtern der Stadt Wolfsburg ein direkter Anbau an die bestehende Schule im westlichen Bereich beschlossen.

Vor dem Hintergrund einer ambitionierten Terminschiene und aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte die Errichtung des Schulanbaus in vorgefertigter Holztafelbauweise mit Holzbalkendecken in Kastenbauweise. Diese technisch-wirtschaftlich determinierte Vorgabe verträgt sich durchaus mit der klaren und disziplinierten Architektursprache der bestehenden Schule.

Umgesetzt wurde ein zweigeschossiger Anbau an der Westseite der bestehenden Schule im Bereich der zweigeschossigen Querflügel mit Abmessungen von ca. 70 Metern Länge, 12 Metern Breite und einer Höhe von 7,85 Metern. Im Erdgeschoss des mittleren und des südlichen Flügels des Bestandsgebäudes wurden direkte Verbindungen an das Flursystem des Neubaus geschaffen. Dadurch entstanden erhebliche Synergieeffekte (rollstuhlgerechte Inklusion, Aufzug, kürzere Wege, Optimierung von Abläufen/Anbindung an technische Infrastruktur).

Der komplexe südliche Übergang zu dem halbgeschossig abgesenkten naturwissenschaftlichen Bereich wurde als statisch-technisch-gestalterisch eigenständiges Gelenk mit behindertengerechten Aufzug realisiert. Hier besteht zusätzlich die Option einer späteren Aufstockung auf dem eingeschossigen südlichen Bestandsgebäude mit direkter Anbindung an die Erweiterung für ca. 3 weitere Klassenräume.

Fassadengestaltung

Großzügige transparente Pfosten-Riegel-Fassaden wechseln sich mit geschlossenen Fassaden aus Holz-Lamellen ab, die als Vorhang-Fassade farblich Bezug zu dem sandfarbigen Sichtmauerwerk der bestehenden Gebäude nehmen. Auch im Innenraum tritt Holz als warmes gestalterisches Element (Holzstützen und Holzlamellendecken) auf.

Konstruktionsbeschreibung und Statik

Trotz des scheinbar einfachen Schulbaus war es für uns aufgrund des komplexen Zusammenwirkens von Statik, Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz und anderer „Kleinigkeiten“ ein äußerst spannendes Projekt.
Die im Wesentlichen in Holztafelbauweise mit Holzbalkendecke umgesetzte Tragkonstruktion wurde nur in Bereichen großer Stützweiten durch Stahlkonstruktionen ergänzt.

Die Aussteifung des neuen Anbaus wurde durch die als Scheibe ausgebildeten Geschossdecken sichergestellt, die kraftschlüssig mit den Holztafelwänden verbunden sind. Da die aussteifenden Wände des Obergeschosses nicht immer über den im Erdgeschoss angeordneten Wänden stehen, wurde besonderes Augenmerk auf die Anschlüsse der Wände untereinander und mit der Gründung gelegt. Diese wurden bis zur Gründungsplatte zugfest hergestellt, möglichst mit standardisierten Verbindungsmitteln. Bei Deckenspannweiten von bis zu 7,5 Metern und der Nutzung als Schulgebäude waren besondere Anforderungen an die Zwischendecke hinsichtlich des Schallschutzes, des Brandschutzes und des Tragwerkes zu stellen. Bei den Brettschichtholz-Deckenbalken wurden schließlich Querschnitte von b/h= 16/34 cm, Abstand a= 62,5 cm in der Güte GL 24h und GL 32h (GL = „Glued Laminated Timber“ = Brettschichtholz; h = „homogen“ = Brettschichtholz, bei dem der gesamte Aufbau aus Lamellen hoher Festigkeit besteht) verwendet, um auch die Anforderung des Schwingnachweises zu erfüllen.

Die tragenden und aussteifenden Holztafelwände wurden mit Stielen b/h= 6 bzw. 8/20 cm, Abstand a= 62,5 cm errichtet und beidseitig mit OSB-3 Platten d= 18 mm beplankt. Darauf wurde die Installationsebene für Kabel etc. angeordnet. Bei der Planung waren insbesondere die Wanddurchbrüche für die Lüftung aus den Klassenräumen in die Flure zu betrachten und wegen der aussteifenden Wirkung der Wände so gering wie möglich zu halten.

Tragende Fassadenstützen zur Hofseite und am Zwischenbau sowie die Innentreppe und die beiden Fluchttreppen werden in Stahlbauweise ausgeführt, ebenso die Stützen und Unterzüge des EG des Gemeinschaftsraumes an der Treppe, die aus Brandschutzgründen komplett verkleidet wurden.

Die Gewerke Holzbau und Stahlbau wurden an nur einen Auftragnehmer vergeben, damit die jeweiligen Werkplanungen aufeinander abgestimmt und optimiert werden konnten. Die fertige Werkplanung wurde dann von uns in statisch-konstruktiver Hinsicht auf Übereinstimmung mit unseren statischen Berechnungen geprüft.

Die Gründung des Gebäudes erfolgte auf einer elastisch gebetteten 25 cm dicken Stahlbetonsohle mit außenliegenden umlaufenden Streifenfundamenten als Frostschürze. Im Bereich von Einzellasten wurde die Sohlplatte 40 cm dick ausgeführt. Die Streifenfundamente wurden aufgrund des Gefälles im Gelände  bis zu  2 Meter hoch ausgeführt und biegesteif mit der Sohlplatte verbunden.

Am Bestandsgebäude (beide Kopfbauten der BBS III) werden die geringen Vertikallasten aus den Deckenebenen (kurze Spannweite, Endauflager) durch an die Bestandsdecke angedübelte Stahlkonsolen in die bis dahin 36,5 cm dicken Außenwände eingeleitet und dort aufgenommen.

Zur Erschließung wird auf der südlichen Seite ein zusätzlicher, massiver Gebäudeteil mit Treppenhaus, Aufzug und neuen Technikräumen in Stahlbeton und Stahlbauweise hergestellt. Dieser Gebäudeteil ist vollständig vom Bestand getrennt und durch die Stahlbetonwände ausgesteift. Hier waren umfangreiche Unterfangungsarbeiten gemäß DIN 4123 an den Bestandsfundamenten notwendig.

Quellen: Architekten Koller-Heitmann-Schütz, Wolfsburg (Lph 1-5); Struhk Architekten, Braunschweig (Lph 6-8)
Tipp: Ein Video zum Thema Unterfangungen finden Sie unter https://youtu.be/2e8uwvN-OcA

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